Young Improvisers' Orchestra - Projektbericht 2004
Young Improvisers‘ Orchestra
Projektbericht 2004
Dozent: Guido Schlösser
Veranstalter: Netzwerk Neue Improvisierte Musik und zeitgenössischer Jazz in NRW e.V. in Kooperation mit ProJazz e.V. und dem Reinoldus- und Schiller-Gymnasium Dortmund-Dorstfeld
Konzept des Young Improvisers‘ Orchestra ist es, Jugendlichen Musik als Form der spontanen Kommunikation und des direkten persönlichen Ausdrucks nahezubringen. Die persönlichen Fähigkeiten und musikalischen Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bilden dabei den Ausgangspunkt für den Leiter, der auf dieser Basis musikalische Konzepte entwirft bzw. die Vorschläge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer strukturiert und erprobt.
Die Band wurde im Oktober 2002 gegründet und debütierte im Dezember 2002 im Rahmen des Festivals jazzwerkruhr im Dortmunder Jazzclub domicil. 2003 folgten Auftritte im Rahmen des Festivals europhonics im Theater Fletch Bizzel, beim Jazz-Festival im Westfalenpark und bei jazzwerkruhr 2004 im Theater im Depot. Im November wurde die Single-CD „Abstraction“ im Sound Exit Studio in Dortmund aufgenommen. Die Teilnahme am Wettbewerb „School Jam“ blieb leider erfolglos.
Vom 7.1. bis zum 30.6.2004 fanden jeweils mittwochs von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr im Musikraum des Reinoldus- und Schiller-Gymnasiums (RSG) insgesamt 22 Proben statt. Am 25. März fand ein Auftritt im Kulturzentrum balou in Dortmund-Brackel statt, bei dem außer dem Young Improvisers‘ Orchestra eine Mädchen-Gesangs- und Tanzperformance sowie die Big Band des Pestalozzi-Gymnasiums Unna zu erleben war.
Zur Band gehörten 10 Schülerinnen und Schüler des RSG im Alter zwischen 12 bis 16 Jahren. Die Besetzung bestand aus zwei Altsaxophonisten, einem Trompeter, einem Posaunisten, einer Gitarristin, zwei Pianisten, einem Baßgitarristen, einem Schlagzeuger und einer Sängerin.
Das im balou vorgestellte Programm bestand aus groovenden Modalimprovisationen, teilweise in ungeraden Metren (7/8 und 9/4), aus freien Improvisationen und natürlich aus dem auf CD aufgenommenen Stück „Abstraction“, das einen harten 3/4-Rock-Groove mit einer Free-Jazz-Passage kontrastiert.
Der musikalische Leiter stand bereits zu Beginn des Projekts vor der Herausforderung, Musiker sehr unterschiedlichen Alters (zehn bis fünfzehn Jahre) und mit höchst unterschiedlichen musikalischen Erfahrungsschätzen in eine Band zu integrieren. Dies wurde erreicht mit Kompositionen, die jeden Musiker vor eine für ihn lösbare Aufgabe stellten und so Entwicklungsmöglichkeiten für alle Beteiligten boten.
Die Unterschiede in der Motivation zwischen Musikern, denen es genügt, in einer Band zu spielen, und denjenigen, die ihr Potential wirklich entwickeln wollen, und auch die Unterschiede in der musikalischen Auffassungsgabe erwiesen sich jedoch auf Dauer als so erheblich, daß eine Probenorganisation, die allen Musikerinnen und Musikern sowohl persönlichen Fortschritt als auch Spaß bietet, nicht mehr möglich war. Somit zog der Projektleiter die Konsequenz, die bestehende Formation des Young Improvisers‘ Orchestra aufzulösen.
Resümee und Zukunftsperspektiven
Das Young Improvisers‘ Orchestra hat bewiesen, daß es möglich ist, auf jedem spieltechnischen Niveau zu improvisieren. Besonders in größerer Besetzung können kompositorischer Ideenreichtum und jugendliche Frische den Mangel an solistischer Brillanz ausgleichen. Improvisierte Musik eignet sich hervorragend, unterschiedliche musikalische Erfahrungen zu integrieren und gerade solche Musiker zu motivieren, die neugierig sind, ungewohnte Stilistiken kennenzulernen und zu entwickeln, und denen in der herkömmlichen Jazzpädagogik zu wenig Freiraum gegeben wird.
Die Organisationsformen für kreative Bandförderung müssen auf der Grundlage der bisherigen Erfahrungen noch entwickelt werden. In den Schulen muß Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit gegeben werden, Instrumente kennenzulernen und auszuprobieren, um schließlich Musik zu erleben als Möglichkeit kreativen Zusammenspiels. Es muß aber auch Platz sein für eine ruhige Entwicklung grundlegender musikalischer Fertigkeiten, für die Erfahrung der Tonalität und der harmonischen Spannung, für die Entwicklung des Formgefühls und für die Sensibilisierung für rhythmische Komplexität.
Anfänger können viel lernen beim Zusammenspielen mit Fortgeschrittenen, Fortgeschrittene beim Zusammenspiel mit weiter Fortgeschrittenen. Hier muß sich der Horizont über eine Schule oder auch eine Musikschule hinaus erweitern auf die gesamte Stadt oder sogar auf eine Region. Workshop-Bands, also Bands, die sich in einem begrenzten Zeitraum mit einer bestimmten Thematik auseinandersetzen und die Ergebnisse bei einem oder mehreren Auftritten präsentieren, beleben nicht nur die Entwicklung der einzelnen Musiker, sondern sorgen auch für die Begegnung mit anderen jungen Musikern und die Gründung neuer Bands.
Das Young Improvisers‘ Orchestra als wenigstens im Ruhrgebiet einzigartiges Beispiel eines dauerhaften Kooperationsprojekts einer Jazzinitiative mit einer Schule hat Aufmerksamkeit weit über Dortmund hinaus erregt. Die Kooperation freier und öffentlicher Träger (ProJazz e.V., domicil Dortmund e.V., Kulturbüro der Stadt Dortmund, Städtische Musikschule, Universität Dortmund) kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Die gewonnenen Erkenntnisse und die bestehenden organisatorischen Grundlagen sind die Voraussetzung dafür, daß es gelingen kann, eine Musikkultur zu entwickeln, die es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, ihre musikalische Kreativität zu entdecken und umzusetzen.
Text: Guido Schlösser
Projektbericht 2004
Dozent: Guido Schlösser
Veranstalter: Netzwerk Neue Improvisierte Musik und zeitgenössischer Jazz in NRW e.V. in Kooperation mit ProJazz e.V. und dem Reinoldus- und Schiller-Gymnasium Dortmund-Dorstfeld
Konzept des Young Improvisers‘ Orchestra ist es, Jugendlichen Musik als Form der spontanen Kommunikation und des direkten persönlichen Ausdrucks nahezubringen. Die persönlichen Fähigkeiten und musikalischen Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bilden dabei den Ausgangspunkt für den Leiter, der auf dieser Basis musikalische Konzepte entwirft bzw. die Vorschläge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer strukturiert und erprobt.
Die Band wurde im Oktober 2002 gegründet und debütierte im Dezember 2002 im Rahmen des Festivals jazzwerkruhr im Dortmunder Jazzclub domicil. 2003 folgten Auftritte im Rahmen des Festivals europhonics im Theater Fletch Bizzel, beim Jazz-Festival im Westfalenpark und bei jazzwerkruhr 2004 im Theater im Depot. Im November wurde die Single-CD „Abstraction“ im Sound Exit Studio in Dortmund aufgenommen. Die Teilnahme am Wettbewerb „School Jam“ blieb leider erfolglos.
Vom 7.1. bis zum 30.6.2004 fanden jeweils mittwochs von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr im Musikraum des Reinoldus- und Schiller-Gymnasiums (RSG) insgesamt 22 Proben statt. Am 25. März fand ein Auftritt im Kulturzentrum balou in Dortmund-Brackel statt, bei dem außer dem Young Improvisers‘ Orchestra eine Mädchen-Gesangs- und Tanzperformance sowie die Big Band des Pestalozzi-Gymnasiums Unna zu erleben war.
Zur Band gehörten 10 Schülerinnen und Schüler des RSG im Alter zwischen 12 bis 16 Jahren. Die Besetzung bestand aus zwei Altsaxophonisten, einem Trompeter, einem Posaunisten, einer Gitarristin, zwei Pianisten, einem Baßgitarristen, einem Schlagzeuger und einer Sängerin.
Das im balou vorgestellte Programm bestand aus groovenden Modalimprovisationen, teilweise in ungeraden Metren (7/8 und 9/4), aus freien Improvisationen und natürlich aus dem auf CD aufgenommenen Stück „Abstraction“, das einen harten 3/4-Rock-Groove mit einer Free-Jazz-Passage kontrastiert.
Der musikalische Leiter stand bereits zu Beginn des Projekts vor der Herausforderung, Musiker sehr unterschiedlichen Alters (zehn bis fünfzehn Jahre) und mit höchst unterschiedlichen musikalischen Erfahrungsschätzen in eine Band zu integrieren. Dies wurde erreicht mit Kompositionen, die jeden Musiker vor eine für ihn lösbare Aufgabe stellten und so Entwicklungsmöglichkeiten für alle Beteiligten boten.
Die Unterschiede in der Motivation zwischen Musikern, denen es genügt, in einer Band zu spielen, und denjenigen, die ihr Potential wirklich entwickeln wollen, und auch die Unterschiede in der musikalischen Auffassungsgabe erwiesen sich jedoch auf Dauer als so erheblich, daß eine Probenorganisation, die allen Musikerinnen und Musikern sowohl persönlichen Fortschritt als auch Spaß bietet, nicht mehr möglich war. Somit zog der Projektleiter die Konsequenz, die bestehende Formation des Young Improvisers‘ Orchestra aufzulösen.
Resümee und Zukunftsperspektiven
Das Young Improvisers‘ Orchestra hat bewiesen, daß es möglich ist, auf jedem spieltechnischen Niveau zu improvisieren. Besonders in größerer Besetzung können kompositorischer Ideenreichtum und jugendliche Frische den Mangel an solistischer Brillanz ausgleichen. Improvisierte Musik eignet sich hervorragend, unterschiedliche musikalische Erfahrungen zu integrieren und gerade solche Musiker zu motivieren, die neugierig sind, ungewohnte Stilistiken kennenzulernen und zu entwickeln, und denen in der herkömmlichen Jazzpädagogik zu wenig Freiraum gegeben wird.
Die Organisationsformen für kreative Bandförderung müssen auf der Grundlage der bisherigen Erfahrungen noch entwickelt werden. In den Schulen muß Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit gegeben werden, Instrumente kennenzulernen und auszuprobieren, um schließlich Musik zu erleben als Möglichkeit kreativen Zusammenspiels. Es muß aber auch Platz sein für eine ruhige Entwicklung grundlegender musikalischer Fertigkeiten, für die Erfahrung der Tonalität und der harmonischen Spannung, für die Entwicklung des Formgefühls und für die Sensibilisierung für rhythmische Komplexität.
Anfänger können viel lernen beim Zusammenspielen mit Fortgeschrittenen, Fortgeschrittene beim Zusammenspiel mit weiter Fortgeschrittenen. Hier muß sich der Horizont über eine Schule oder auch eine Musikschule hinaus erweitern auf die gesamte Stadt oder sogar auf eine Region. Workshop-Bands, also Bands, die sich in einem begrenzten Zeitraum mit einer bestimmten Thematik auseinandersetzen und die Ergebnisse bei einem oder mehreren Auftritten präsentieren, beleben nicht nur die Entwicklung der einzelnen Musiker, sondern sorgen auch für die Begegnung mit anderen jungen Musikern und die Gründung neuer Bands.
Das Young Improvisers‘ Orchestra als wenigstens im Ruhrgebiet einzigartiges Beispiel eines dauerhaften Kooperationsprojekts einer Jazzinitiative mit einer Schule hat Aufmerksamkeit weit über Dortmund hinaus erregt. Die Kooperation freier und öffentlicher Träger (ProJazz e.V., domicil Dortmund e.V., Kulturbüro der Stadt Dortmund, Städtische Musikschule, Universität Dortmund) kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Die gewonnenen Erkenntnisse und die bestehenden organisatorischen Grundlagen sind die Voraussetzung dafür, daß es gelingen kann, eine Musikkultur zu entwickeln, die es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, ihre musikalische Kreativität zu entdecken und umzusetzen.
Text: Guido Schlösser